Lebensqualität.

May 6
Posted by Isa Filed in Celle, Gesellschaft

Was bedeutet Lebensqualität für Sie? Nein, sagen Sie nichts, ich weiß es ja längst. Quasi-repräsentative Umfragen unter den Besuchern meiner neuen Wohnung lassen nur einen Schluss zu: Der Inbegriff von Lebensqualität ist ein Esstisch. Ja, das war auch Ihr erster Gedanke, richtig? Ich ahnte es.

Ich denke ja eher an Schokolade zum Frühstück, süßen Wein in bester Gesellschaft und schicken Schuhen am Abend, zwischendurch einen schönen Arbeitstag und eine neue Bestzeit beim Laufen (in praktischen Schuhen), unpraktische Schuhe, meine Küche, das Wohnzimmer spartanisch-leer bis auf meine Couch und zwei Pflanzen, meine wirklich einmaligen Türklinken und erwähnte ich eigentlich Schuhe? Aber was weiß ich schon von Lebensqualität.

Also, ein Esstisch. Das ist es, was mir zu meinem Glück fehlt. Ich, die ihr Frühstück im Gehen, an entspannten Tagen im Stehen einnimmt, Mittagessen am liebsten auf einer Parkbank (Lebensqualität!) und Abendessen… nun, für Weingläser brauche ich keinen Esstisch. Sie erkennen die schiere Notwendigkeit, so ein Ding in meiner Wohnung aufzustellen. Wie komme ich ohne überhaupt klar? An langen Tagen esse ich übrigens unter Todesverachtung am Schreibtisch. Ich könnte den ja mal mit nach Hause nehmen. Oder ich kaufe mir einen Esstisch, um meine Ruhe zu haben. Hat ja auch was mit Lebensqualität zu tun

Optik.

May 2
Posted by Isa Filed in Celle, Gesellschaft

Ich beneide die Modeschöpfer ja nicht unbedingt um ihren Beruf. Ständig muss man sich etwas Neues einfallen lassen, komme was da wolle. Nun haben wir von den 20ern bis zu den 80ern alles durch, das Meiste kam schon in den 90ern wieder und die 90er will keiner zurück haben.

Neues Jahrtausend, neues Glück? Aber mitnichten. Gehen Sie auf die Straße, Sie werden sehen: Man kann fast alles tragen. Feine Sache eigentlich. Nur – wenn jeder alles darf, wieso sollte man dann jetzt noch neue Kleider kaufen? Also muss es Kleidung mit gewissen Extras sein. Silberfäden gegen Schweißgeruch zum Beispiel. Oder textmarkergelbe Röcke. Die sind so dermaßen hässlich, das hat es außerhalb der Love-Parade noch nie gegeben.

Und Hosen in Streifenoptik. Jetzt werden Sie in ihren Schrank gucken und sich denken: Moment! Ich habe ja schon längst eine Hose in Streifenoptik! Falsch. Haben Sie nicht. Sie haben vielleicht eine gestreifte Hose – schlimm genug. Aber die Streifenoptik ist neu. Ich werde heute Abend direkt alle meine gestreiften Sachen wegwerfen, handelt sich primär um Socken. Nicht, dass noch einer mitkriegt, was für unmodisches Zeug ich daheim habe. Morgen überlege ich mir dann, ob ich Streifenoptik wirklich brauche. Mal gucken.

Freiflug.

Apr 30
Posted by Isa Filed in Celle

Der Horizont entzieht sich meinem Blickfeld. Es gibt nur noch mich und die Straße. Der Asphalt kommt auf mein Gesicht zu, ganz langsam, ganz gleichmäßig. Ein Kieselstein ist schuld, so ein kleines unschuldig guckendes Ding. Ich hatte ihn noch winken sehen, einen Herzschlag später verkantet er sich in meinem Inline-Skate. Jetzt sind acht Rollen in der Luft, irgendwo hinter mir, sieben drehen sich munter weiter, eine steht still. Ich überlege, wie gut sich Narben von Kieselsteinen wohl behandeln lassen.

Dann kommt der Schmerz. Ich wundere mich. Mein Stand der Dinge ist eigentlich, dass ich noch gar nicht aufgeschlagen bin. Wieso tut meine rechte Wade weh? Und wieso hinten, nicht vorn? Keine schöne Erkenntnis: Mein Schuh steckt drin. Handtellergroß und herzförmig wird der violette Fleck mal werden, das ist mir in diesem Moment aber weder bewusst noch ansatzweise wichtig.

Denn jetzt macht meine linke Hand etwas ausgesprochen Kluges: Sie schiebt sich vor mich. Ich schaue sie an. Meine kleine linke Hand und darauf landet gleich mein ganzer Körper, eben noch gut mit 25 Kilometern pro Stunde von Garßen nach Alvern unterwegs. Ob sie wohl brechen wird? Wahrscheinlich nicht, ich bin ja durchaus recht stabil. Und lieber die Hand als das Gesicht. Aber die Schulter, meine Güte, wenn ich so aufschlage, dann werde ich die Schulter wochenlang spü…

Autsch.

Abkürzung.

Apr 23
Posted by Isa Filed in Celle

Die anstrengendste Verbindung zwischen zwei Punkten bleibt die Abkürzung. Mit dem Fahrrad von der Sprache in Richtung Bostel zum Beispiel – ganz blöde Idee. Lassen Sie das bloß sein. Wenn Sie aus Lachendorf kommend nach Celle reinfahren, findet sich auf der rechten Seite ein hübscher Weg. Sieht einladend aus. Er führt über ein Feld in Richtung des Waldes, Schweinebruch heißt die Gegend. Und jetzt raten Sie mal, warum das so ist.

Oder wenn Sie nach Unterlüß fahren. Dann biegen Sie, aus Celle kommend, bei Weyhausen ab. Fahren Sie nicht über Dalle. Das macht keinen Spaß, glauben Sie mir.

Bleibt noch jenes Unbill am Puls unserer Stadt – die Bahnunterführung meine ich natürlich. An Abkürzungen ist nicht zu denken, der Umweg muss sein. Vertrauen Sie nicht aufs Navi. Vergessen Sie die Straßenschilder. Planen Sie einfach etwas mehr Zeit ein.

Setzen, sechs!

Apr 20
Posted by Isa Filed in Celle, Gesellschaft

Haben Sie mal versucht, eine Bank aufzustellen? Jetzt nicht gerade auf dem heimischen Balkon, das schaffe ich auch. Versuchen Sie das mal am Rande der Aller. Gehen Sie in den Baumarkt, kaufen Sie sich für 89,99 Euro eine schmucke Holzbank, stellen Sie sie ans Ufer der Aller. Irgendwo, wo es ganz besonders schön ist, wo sich das Verweilen ganz besonders lohnt. Dann geht‘s aber los.

Damit dem Wildwuchs schnöder Erholungseinrichtungen endlich Einhalt geboten wird, sind für diese Bänke – so hat es ein fußmüder Bürger am eigenen Leibe erfahren müssen – nämlich Genehmigungen einzuholen. Gegebenenfalls muss auch der Naturschutz beteiligt werden. Könnte ja jeder kommen und eine Bank in die Gegend stellen. Erstmal braucht‘s einen Antrag, Beteiligung, Genehmigung und wehe das läuft nicht rund ab und wehe die Bearbeitungsgebühr wird nicht umgehend bezahlt – ich meine natürlich: entrichtet.

Ich würde dem, der sich das ausgedacht hat, zu gerne sagen: setzen, sechs!, aber geht ja nicht. Gibt ja keine Bank. Muss er sich wohl in die Ecke stellen.

BobCaLäVO.

Apr 18
Posted by Isa Filed in Celle, Gesellschaft

Manche Menschen haben es schwerer als andere. Sie wohnen neben Kindergärten. Ein hartes Brot. Und weil den lieben Kleinen per Gerichtsbeschluss verboten werden sollte zu lärmen, toben, spielen, hat sich der Bundestag im vergangenen Sommer etwas überlegt. Nun steht in Paragraf 22 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG), dass Kinderlärm kein Grund ist, gegen den Bau von Kitas zu klagen. Kinderlärm zählt somit nicht mehr zu den schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge, vor denen die Bundesbürger ganz dringend beschützt werden müssen.

Not macht erfinderisch, dann halt anders: Nun beklagen sich im Landkreis Celle die ersten Eltern über den Lärm bestehender Kitas, aber nicht über die Kinder selbst. Diesmal geht es um die Bobby-Cars, die nannten wir früher Rutscheautos. Die gibt es jetzt sogar schon mit Gummirädern. Reicht aber nicht, immer noch zu laut.

Vielleicht erlässt der Bundestag jetzt auch noch eine Bundes-Bobby-Car-Lärmverordnung – BuBobCaLäVO. Liebe Kindergartennachbarn, hier ein paar Ideen für neue Beschwerden: Gabelklappern. Virenmission. Kinderlieder. Ach nee, Letzteres ist schon jetzt kein Klagegrund mehr. Na, Ihnen fällt schon was ein. Manche Menschen haben es schwerer als andere. Gut, dass Hindernisse kreativ machen.

Optimisten.

Feb 17
Posted by Isa Filed in Uncategorized

Optimisten leben länger. Das hat die Wissenschaft jetzt festgestellt. Der Versuchsaufbau: Die Probanden wurden gefragt, wie sie sich fühlten. Exzellent, ziemlich gut, gut, eher schlecht, sehr schlecht. Und, oh Wunder: Wer sich schlechter fühlte starb früher. Unglaublich! Andere fanden raus, dass der Anblick von Essen hungrig macht. Ich zweifle das aber an. Das wäre ja, als würde der Anblick von Lederstiefeln verschwendungssüchtig machen. Kann auf gar keinen Fall stimmen. Außerdem machen Widerstände kreativ und Schicksalsschläge härten ab. Aber Grübeln macht unglücklich. Also sterben Grübler früher. Andererseits wäre Grübeln dann ja ein Hindernis und das macht kreativ. Und damit solche Erkenntnisse finanziert werden habe ich Studiengebühren gezahlt. Na danke. Ein Glück, dass die auch festgestellt haben, dass der Gang durch Türen vergesslich macht. Ich lauf jetzt eine Runde durch die Redaktion und Sie drehen eine Runde durch die Wohnung, dann geht es uns allen wieder besser. Einen optimistischen Tag wünscht Isabell Prophet

 

Liebevoll inspiriert von Daniel Rettigs Alltagsforschung, erklärter Lieblingsblog.

Dehnsucht.

Feb 8
Posted by Isa Filed in Celle

Es ist kalt, das mal so als Feststellung direkt am Anfang. Vielleicht haben Sie es auch schon gemerkt. Wer dieser Tage morgens aus dem Bett springt und auf allen Vieren ins Badezimmer kriecht um fünfzehn Minuten später seine Runden um den örtlichen Teich zu drehen, der hat es auf jeden Fall bemerkt.

Nun gibt es ja jene Spezialisten, die sich gleich am Anfang dehnen. Macht Sinn, so ein richtig schön unaufgewärmter (quasi: kalter) Muskel, den dehnen Sie mal schön und reden Sie sich ein, das sei gesund. 30 Minuten Laufen, am Anfang und am Ende gründlich dehnen, herzlichen Glückwunsch, Sie treiben Sport.

Doch auch der vernünftige Teil der Gesellschaft kriegt jetzt ein Problem: Wie gesagt, ist kalt. Also stehen Sie und gehören vielleicht gar nicht zu dem Teil der Sportlerschaft, der Dehnpausen als Herzinfarktsverhinderungsstrategie nutzt, Sie stehen und dehnen und… Au. Genau. Kalt. Lassen Sie das. Dehnsucht ist therapierbar, sonst stehen Sie ruckzuck vor dem eiskalten Entzug – Wadenmuskelzerrung, viel Spaß damit.

 

Abgängig.

Jan 17
Posted by Isa Filed in Celle

Na, kennen Sie das Wort in der Überschrift? Abgängig? Wenn Sie jetzt verständnisvoll nicken, dann sind Sie Bürgermeister! Erwischt? Okay, zugegeben, nicht jeder, der genickt hat, ist Bürgermeister. Aber die Meisten, da bin ich mir sicher. Und der Rest arbeitet für einen. Für alle anderen: Abgängig sind manchmal Straßen. Nun wissen Sie Bescheid, oder?

Gar nicht so einfach für nicht-Verwaltungsfachmenschen, den Geheim-Jargon zurecht zu entschlüsseln. Manchmal würde ich gerne in einem Rathaus anrufen und nachfragen – klappt aber nur, wenn die nicht gerade fußläufig aushäusig sind, zum Beispiel um dem Straßenbegleitgrün den Weg zu weisen oder die Signale der mobilen Lichtzeichenanlage zu entschlüsseln.

Warum die Facharztversorgung in Hermannsburg und Bergen stetig korrelierend ausgebaut wird wissen auch nur ausgebildete Experten. Zu Deutsch nämlich: Ohne Unterbrechungen oder Sprünge entwickelt sich dort etwas, durchaus aneinander ausgerichtet – aber nicht zwingend mit Absicht.

Für jeden, der nun gedacht hat, auf abgängigen Straßen ginge man bergab – falsch. Vielmehr geht es mit abgängigen Straßen bergab. Die sind nämlich kaputt. Total naheliegend, oder?

Boxsack.

Dec 28
Posted by Isa Filed in Celle

Was tun Sie, wenn Sie sich über die Bahn ärgern? Ein verpasstes Flugzeug, elend lange Wartezeiten, unfreundliche Service-Kräfte? Ich wähle spontan zwischen zwei Strategien: Durchatmen, entspannen, mich daran erinnern, dass die Welt weniger untergeht, als es mir gerade erscheinen mag. Lächeln. Oder ausrasten und meinen Ärger an Fremden, vorzugsweise komplett Unbeteiligten auslassen.

Eine Freundin von mir weilt in Shanghai, da hat sie eine weit bessere Lösung gefunden: Boxsäcke! In den U-Bahnstationen der chinesischen Metropole hängen diese Dinger von der Decke. Keine schlechte Idee, im Jahr wartet der Durchschnittschinese 1824 Minuten auf seine Bahn. Das sind mehr als 30 Stunden. So verliert man Lebenszeit.

Die Idee also, grundsätzlich schon einmal gar nicht schlecht. Punching-Bälle am Bahnhof in Celle, da freuen sich auch die ICE-Fahrgäste, wenn der Zugführer wieder mal einen Halt vergessen hatte. Tiefenentspannt und gut trainiert können sie in den nächsten Zug einsteigen.

Aber warum die Idee nicht weiterspinnen? Punching-Bälle an Tankstellen, man denke an die Spritpreise. Warum nicht an Straßenrändern; die Hannoversche Straße morgens um acht würde zum  Sportgelände werden. Im Wartezimmer bei manchem Arzt und warum nicht gleich auch neben der Waage? Als erstes hänge ich mir einen Boxsack neben den Briefkasten, könnte bald ein Liebesbrief aus Flensburg eintrudeln.

Die Chinesen haben es raus. Wie viel ausgeglichener wären wir, wenn die Energie des Augenblicks in sportliches Boxen fließen würde? Gewalt mag keine Lösung sein, sie lenkt aber vom Problem ab.